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Letzte Änderung: 02.03.2019, 20:51
Letzer Autor: Norbert Schrepf

Geschichte der Firma O.&M. Hausser

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Hausserwerk, Abbildung im Händlerkatalog 1958

Am 1. Mai 1904 kaufte der Ludwigsburger Baumeister Christian Hausser seinen Söhnen Otto und Max die Firma "Müller & Freyer Kurz- und Spielwarenhandlung en gros". Bereits 1910 wurden neben Lehr- und Gesellschaftsspielen "fast unzerbrechliche, plastische Soldaten" aus eigener Fabrikation angeboten.

1912 verkauften Max und Otto Hausser den Geschäftsbereich Großhandel und führten die Firma unter dem im Handelsregister eingetragenen Namen "O.&M. Hausser Ludwigsburg" fort. Aus dieser Zeit stammt auch der Markenname Elastolin, mit dem die Figuren der Firma Hausser zu Weltruhm gelangten. Obwohl eigentlich nur die Firma Hausser ihre Figuren unter dem Markennamen Elastolin verkaufte, bezeichnen heute Sammler Aufstell­figuren aus Masse generell als Elastolin Figuren.

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I. Weltkrieg

Während des ersten Weltkrieges diente Max Hausser als Soldat im deutschen Heer an der Westfront, bis er 1915 in Frankreich fiel. Damit erlebte er nicht mehr den rasanten Aufstieg der Firma Hausser zu einer der größten Spielwaren-Fabriken Europas.

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Weimarer Republik

Bereits 1917 war Hausser mit über 1.400 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Ludwigsburg und wuchs rasant weiter. Da die vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten, wurde 1920 das ehemalige Zeughaus in der Mathildenstrasse 1 als Warenlager angemietet. 1927 kam das Artillerie-Depot in der Mathildenstrasse 20 hinzu.

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Drittes Reich und II. Weltkrieg

1933 baute die Firma "Franz Braun AG" in Zerbst-Anhalt die ersten automatischen Spritzgussmaschinen der Welt. Zusammen mit Hausser wurden in der Folgezeit Experimente zur Figurenproduktion aus Kunststoff durchgeführt. Dabei wurden Versuche mit verschiedenfarbigen Kunststoffen gemacht. Eine Serienfertigung dieser Figuren erfolgte jedoch vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges nicht mehr.

Da im Rahmen der deutschen Wiederbewaffnung 1935 die Verträge für die angemieteten militärischen Liegenschaften gekündigt wurden, musste eine neue Unterbringung für die Produktionsanlagen und Lager gefunden werden. Damit kam es 1936 zum Umzug des Firmensitzes von Ludwigsburg nach Coburg, nahe der Grenze zu Thüringen. Dort wurde die Firma, die mehr als 1.000 Arbeitsplätze in die unterentwickelte Region brachte, mit offenen Armen aufgenommen.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft erreichte die Produktion von Soldatenfiguren ihren Höhepunkt. Dabei umfasste das Sortiment Figuren aller Waffengattungen und Parteiorganisationen. Allein 1938 wurden über 3 Millionen Elastolin Figuren hergestellt. Auch der Ausbruch des zweiten Weltkrieges unterbrach die Figurenfabrikation nicht. Erst als 1943 das Herstellungsverbot von Spielzeug für den Inlandsmarkt in Kraft trat, wurde dieser Produktionszweig eingeschränkt.

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Nachkriegszeit

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war die Nachfrage nach Spielzeugsoldaten praktisch nicht mehr vorhanden. Neue, nicht-militärische Figuren mussten entwickelt werden. Gleichzeitig erinnerte man sich bei Hausser wieder an die Versuche vor dem Krieg, Figuren aus Kunststoff herzustellen. Mit der Weiterentwicklung der Wildwest-Serie wurden Masse­figuren mehr und mehr verdrängt, bis sie 1968 ganz aus dem Programm verschwanden.

1954 erhielt Hausser vom Bamberger Karl May Verlag die Exklusiv-Rechte zur Herstellung der Karl May Figuren. In der Folgezeit wurden viele Helden und Ganoven aus diesen Büchern in Figuren umgesetzt. Mit den großen Erfolgen der Winnetou Filme, 13 Jahre später, wurde diese Reihe um zwei weitere Figuren, die die Gesichtszüge der Hauptdarsteller Pierre Priece (Winnetou) und Lex Barker (Old Shatterhand) tragen, ergänzt. Weitere Figuren folgten 1976 und 1977.

Ebenfalls 1954 wurde in den deutschen Kinos der 1953 von der 20th Century Fox gedrehte Film "Prinz Eisenherz" uraufgeführt. Der damals 24-jährige Hauptdarsteller Robert Wagner stand Pate für die erfolgreichste und meistverkaufte Plastikfigur der Firma Hausser: "Prinz Eisenherz". Anknüpfend an diesen Erfolg wurde die Reihe um den "Prinz von Thule" beständig erweitert. Weitere Figuren wurden durch den Modelleur Max Weißbrodt in Anlehnung an die Comic-Hefte "Prinz Eisenherz" von Harold Rudolph "Hal" Forster entwickelt. Dabei wurden viele Darstellungen, wie zum Beispiel der anlegende Bogenschütze (8643) oder der Wikinger (8503) fast unverändert von der Comicvorlage in Figuren umgesetzt.

In den 50er und 60er Jahren waren die Figuren der Firma Hausser das ideale Spielzeug für Kinder, um die Geschichten aus Filmen oder Comic-Heften nachzuspielen.

In den 70er und 80er Jahren entwickelten sich die Spielfiguren von starren Aufstell- zu vollbeweglichen Actionfiguren, die mit verschiedensten Waffen und sonstigen Gegenständen ausgerüstet werden konnten. Damit eroberten die beweglichen Figuren von Playmobil und Timpo Toys die Kinderzimmer.

Bereits im Hausser Prospekt "Neuheiten 1970" tauchten die ersten Steck­figuren aus Weichplastik auf. Im Juni 1976 stellte Hausser in einem 36 Seiten starken Katalog die weiter entwickelte Serie dieser vollbeweglichen Steck­figuren in der 5,6 cm Größe vor. Mit dem Werbespruch "Hausser-Elastolin Steckfiguren – das Spielzeug unserer Zeit" wurde der Versuch unter­nommen, den Konkurrenten Playmobil und Timpo Toys bereits verloren gegangene Marktanteile wieder abzunehmen. Dazu wurden über 260 Figuren abgebildet, die sich, durch Umstecken der einzelnen beweglichen Körperteile, zu unzähligen Variationen umbauen ließen.

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Insolvenz

Die verzweifelten Versuche, die verlorenen Marktanteile zurück­zugewinnen, scheiterten jedoch. 1983 endete mit dem Konkurs die fast 80- jährige Firmengeschichte der Firma O&M Hausser.

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Firma Paul M. Preiser

Aus der Konkursmasse übernahm die Firma Paul M. Preiser Werkzeuge und Formen zur Figurenproduktion, sowie den Markennamen Elastolin. Auf einem kleinen Teil der ehemaligen Hausserfabrik werden auch heute noch, unter Verwendung der alten Formen, die berühmten Hartplastikfiguren unter dem Markennamen "Elastolin by Preiser" hergestellt.



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Mitgliederkommentare

26.10.2021, 23:56 - Mitglied

Max Haußer starb als Leutnant am 18 Januar 1915. Ihm wurden beide Unterschenkel abgerissen durch Granateinschlag im Bunker des Regimentskommandeurs, dessen Adjutant er war. MfG Andreas Kühm


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